Whiskyverkostung

Das Whisky Tasting

Was unter Weinkenner üblicherweise als „Weinprobe“ läuft, wird Ihnen in Whiskykreisen als „Tasting“ begegnen. Es geht darum, einem Whisky ganz unvoreingenommen zu begegnen und  ihn kennenzulernen. Wie sieht er aus? Wie riecht er? Wie schmeckt er? Welchen Eindruck hinterlässt er? Das sind die Themen, um die es zunächst geht und die dann später in der Frage gipfeln, die die eigentlich Wichtige für Sie ist und die nur Sie beantworten können: Schmeckt mir dieser Whisky?

Sie bekommen hier eine kleine Einleitung und diverse Tipps, die Orientierung und Hilfestellung beim Tasten sein sollen. Aber wie immer gilt: Ausprobieren und schauen, was für Sie richtig ist! Vielleicht haben Sie auch einmal die Möglichkeit, an einem Tasting mit mehreren Personen teilzunehmen. In der Gruppe macht es nochmal mehr Spaß und Sie werden sich wundern, wie unterschiedlich die Meinungen über den gleichen Whisky sein können.

Die Vorbereitung

  • Zu einem Tasting gehört ein Tastingglas – irgendwie logisch. Ideal sind auch Nosinggläser, die den Geruch des Whiskys noch mehr zur Entfaltung bringen. Wenn Sie mehrere Whiskys verkosten möchten, nehmen Sie für jeden ein frisches Glas.
  • Wasser zum Neutralisieren und zum Verdünnen des Whiskys sollte ebenfalls reichlich vorhanden sein. „Never have whisky without water – and never have water without whisky!“ ist ein geflügeltes Wort, das gerne zitiert wird. Den ersten Teil sollten Sie unbedingt beherzigen. Am besten ist mineralstoffarmes stilles Wasser oder auch schlichtes Leitungswasser. Wer möchte, kann auch Weißbrot zum Neutralisieren des Whiskygeschmacks verwenden.
  • Ideal zum vorsichten Zugeben von Wasser in den Whisky sind Pipetten. Fragen Sie in Ihrer Apotheke einfach  nach Einmalpipetten.
  • Zettel und Stift sollten nicht fehlen, um Ihre Eindrücke zu notieren. Schreiben Sie auch alle Informationen über den Whisky dazu, die das Label der Flasche hergibt und legen Sie sich von Anfang an eine kleine Sammlung Ihrer Tastingnotes an. Später können Sie dann immer wieder darauf zurückgreifen und werden mit Erstaunen feststellen, dass sich Ihr Geschmack und Ihre Vorliebe im Laufe der Zeit verändern.
  • Und natürlich nicht zu vergessen der Whisky: Holen Sie ihn nicht erst zu Beginn Ihres Tastings aus dem Keller, er sollte mindestens 15- 18 Grad haben. Zimmertemperatur ist okay. Öffnen Sie die Flasche aber bitte nicht schon vorher wie beim Rotwein….
  • Auch wenn es vielleicht kleinlich klingt: Ein Tasting und eine herrlich duftende Blumendekoration auf dem Tisch vertragen sich nicht. Auch Zigarette und Aschenbecher haben hier so wenig zu suchen wie der Duft von Parfum und Aftershave.

Das Aussehen

Wenn Sie den Whisky im Glas haben (es muss nicht viel sein; wenn Sie mehrere Whiskys tasten wollen, genügt auch 1 cl), schauen Sie sich die Flüssigkeit erst einmal an. Halten Sie das Glas gegen das Licht und versuchen Sie, die Farbe des Whiskys zu beschreiben. Mit Begriffen wie „hell oder dunkel“ begnügen sich Whiskyfreunde nicht. Strohblond, Weißweinfarben, Gelbgold, Blassorange, Sherry, Bernsteinfarben bis „untergehende Sonne“ werden Sie in Tasting-Runden zu hören bekommen. Versuchen Sie, die Nuance so gut wie möglich zu beschreiben. Wer die einführenden Artikel zur Herstellung von Whisky aufmerksam gelesen hat, wird jetzt natürlich sofort anmerken: „Aber die sind doch zum Teil gefärbt“. Richtig! Aber eine Farbe hat das Endprodukt ja trotzdem. Ob Sie die hinterher zur Interpretation des Reifeprozesses heranziehen können, ist etwas anderes.

Wenn Sie das Glas vorsichtig (!) schwenken oder neigen und die Innenwände damit benetzen, können Sie die Schlierenbildung beobachten. Der Whisky bekommt „Beine“. Sehen Sie ziemlich „lange Beine“? Der Whisky hat vermutlich einen hohen Alkoholgehalt. Läuft er in deutlichen Tränen herunter oder ziemlich schnell und glatt? Verschwinden diese Schlieren nur sehr langsam,  dann enthält der Whisky viele Öle und hat einen vollen Körper.

Der Duft

Der zweite Schritt ist das Nosing, das Riechen am Whisky. Nun vergessen Sie bitte eines nicht: Bei Whisky handelt es sich um hochprozentigen Alkohol, der sehr flüchtig ist und Ihr Nosingglas ist bestens dafür geeignet, die entstehenden Alkoholdämpfe im Glas zu bewahren. Wenn Sie nun beherzt Ihre Nase tief ins Glas halten und kräftig die Düfte mit der Nase einziehen, tun Sie Ihren Schleimhäuten nichts Gutes und Sie werden vor lauter beißendem Alkohol die Feinheiten des Whiskys nicht wahrnehmen können. Also: Die Nase über das Glas führen und vorsichtig Kontakt aufnehmen. Wenn Sie den Eindruck haben, zu wenig wahrnehmen zu können, so schwenken Sie das Glas ein wenig, um das Aroma zur Entfaltung zu bringen und halten Sie das Glas sogar dabei zu, um die flüchtigen Anteile zu sammeln. Aber es ist kein Shake, also bitte keine übermäßigen Bewegungen, sonst verschwenden Sie unnötig viel Alkohol an die Luft.

Was riechen Sie? Jetzt ist die Stunde der Poeten! Halten Sie sich nicht zurück, sondern suchen Sie nach passenden Vergleichen, um das Wahrgenommene zu beschreiben. Rose? Zitrone? Gras? Vanille? Lagerfeuer? Käsekuchen? Asphalt nach frischem Sommerregen? Sie würden sich wundern, was manch einer herausriecht…. Unser Geruchssinn ist stark verknüpft mit unserem Gedächtnis und bei neuen Gerüchen sucht unser Gehirn  in den Erinnerungen  nach Situationen, in denen uns ein ähnlicher Duft bereits einmal begegnet ist.

Notieren Sie, was Ihnen in den Sinn kommt und tauschen Sie sich darüber aus, wenn Sie mit anderen zusammen tasten (bzw. momentan noch nosen).

Fahren Sie Ihren Geruchssinn zwischendurch einmal herunter und versuchen ihn zu neutralisieren. Riechen Sie dazu beispielsweise an Ihrer eigenen (unparfümierten) Haut.

Dann nehmen Sie erneut Nasenkontakt zum Whisky auf. Neue Eindrücke?

Der Geschmack

Jetzt kommt endlich der ersehnte Moment – doch bevor Sie das Glas an die Lippen setzen, dürfen Sie auf keinen Fall das „Prost“ vergessen. Schottischer und irischer Whisky verlangt nach einem „Slainte Mhath“ (gesprochen Slontsche wah), was so viel wie „Gute Gesundheit“ bedeutet. Auch die Kurzform „Slainte“ ist sehr geläufig. Das „Cheers“ der Amerikaner dürfte bekannt sein.

Der erste kleine Schluck verweilt nur kurze Zeit im Mund und ist zur Einstimmung gedacht. Ihr spontaner Eindruck? Nehmen Sie nach kurzer Zeit einen zweiten Schluck und lassen Sie ihn im gesamten Mundraum wirken, bevor sie ihn herunterschlucken. Manche Whiskyfreunde empfehlen, möglichst dabei viel Sauerstoff an den Whisky zu lassen, also schlürfen, kauen oder Luft einziehen dabei – erlaubt ist, was gefällt.

Jetzt nehmen Sie alle Aromen des Whiskys wahr. Versuchen Sie herauszufinden: Wo schmecken Sie etwas? An der Zungenspitze, an den Seiten oder im Rachenraum? Wir schmecken süß, salzig oder bitter an unterschiedlichen Stellen im Mund. Beschreiben Sie auch jetzt wieder ganz bildhaft und vergleichend, was Sie erschmecken können. Das können süße, honigartige Nuancen sein, vielleicht Vanille oder Zimt? Oder sind es eher fruchtige Töne? Welche Frucht? Bei manchen Whiskys können Sie das Holz herausschmecken oder sehen förmlich vor sich, wie der Torf gestochen wird, der den Whisky so rauchig machte. Der Whisky entwickelt sich auch im Mund. Schmecken Sie zuerst nur Pfeffer am Zungenrand, kommen vielleicht Mandel und Orange nach einigen Sekunden am Gaumen dazu? Lässt sich der Rotwein ahnen, der Ihrem Whisky im Finishfass begegnet ist?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass der hohe Alkoholgehalt manches überlagert, dann lassen Sie einige Tropfen Wasser in den Whisky fallen, schwenken leicht und nehmen wieder einen Schluck. Das Wasser setzt jetzt vielleicht weitere Aromen frei und manchmal ist man überrascht, wie anders der Whisky nun schmeckt.

Der Nachklang

Viele sprechen vom „Abgang“, aber klingt das nicht recht abwertend? Der Nachklang, also der  Eindruck, den ein Whisky in Mund und Rachen hinterlässt, charakterisiert ihn ebenso wie der Geruch und Geschmack. Ist die Erinnerung an den Whisky schnell verflogen? Bleibt auf der Zunge ein trockenes Gefühl zurück? Oder schmecken Sie den langen Nachklang im Rachenraum nach 30 oder mehr Sekunden immer noch? Das soll nicht heißen, dass ein Whisky mit kurzem Nachklang ein schlechter Whisky ist. Wenn Sie ein Whiskymenü planen und nach einem Whisky suchen, der die Vorspeise begleitet, greifen Sie vermutlich eher nach einem leichten, frischen Whisky mit kurzem Nachklang. Aber das ist ein anderes Kapitel…

 

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