Ich habe mich immer gefragt, wie es sein kann, dass ein Destillat, welches von Haus aus eigentlich von farbloser Transparenz sein sollte, eine so schöne goldgelbe Farbe bekommen kann. Vom Brennen jedenfalls mal nicht, auch nicht nach zwei oder dreimal brennen. Das Ergebnis meiner Recherche hat mich echt überrascht. Whisky wird gefärbt! Zucker heißt das Zauberwort. Nein, keine künstlichen Farbstoffe! Whisky wird mit Zucker gefärbt. Während des Reifevorgangs liegt der Whisky in Holzfässern. Holz besteht aus Zellulose, die aus Zuckermolekülen zusammengebaut wird, chemisch gesehen. Vor dem Einlagern des Whiskys werden die Fässer thermisch behandelt, „getoastet“. Dadurch entsteht zum einen ein rauchiges Aroma, aber zum anderen werden die vorhandenen Zuckermoleküle durch das Erhitzen zu Karamell, so wie im Kochtopf bei der Herstellung von Karamellbonbons. Dieses Karamell löst sich dann langsam während der Reifung aus dem Holz und gibt dem Whisky seine schöne Farbe. Also zunächst mal nichts Verwerfliches und nichts Künstliches. Die Fässer, die zum Reifen des Whiskys verwendet werden, sind in der Regel 4-5 Mal in Gebrauch, manche bis zu 10 Mal. Dadurch wird klar, dass mit der Zeit nicht mehr so viel Zucker abgegeben werden kann, da einfach nicht mehr so viel im Holz ist. Um nun einen Qualitätsstandard zu gewährleisten, sicherzustellen, dass der Whisky immer fast gleich aussieht, sind viele Destillerien dazu übergegangen, den Whisky mit Zuckerkulör nachzufärben. Die zweite Charge aus einem Fass ein bisschen, die dritte noch ein bisschen mehr. Auf diese Weise werden Rückfragen bezüglich der unterschiedlichen Farbgebung vermieden. In Deutschland ist es Pflicht, dass die Hersteller angeben, wenn ein Whisky gefärbt ist. Aber es gibt auch ein paar wirklich „reine“, die auch keine zusätzlichen Farbstoffe enthalten. Die Destillerie Balbair verzichtet bei einigen ihrer Whiskys auf den Zusatz von Zuckerkulör.