Was das Ackergold, wie die Kartoffel im Volksmund auch liebevoll genannt wird, doch so alles hergibt! Sogar Kartoffelschnaps, einen Branntwein, der aus Kartoffeln hergestellt wird. Er galt im Zeitalter der industriellen Revolution lange Zeit als Schnaps der armen Landbevölkerung und erlebt heutzutage eine Renaissance als exklusive Spirituose. Er wird wieder in der gehobenen Gastronomie angeboten, die sich auf bewährte deutsche Küche spezialisiert hat, denn er passt ganz ausgezeichnet zu traditionellen Gerichten wie zum Beispiel Hering mit Bratkartoffeln. Seit dem 19. Jahrhundert ist Kartoffelschnaps auch als Wodka bekannt, - vor allem in Polen und in der Ukraine, doch Wodka wird darüber hinaus vor allem aus Getreide und Melasse hergestellt. Im Unterschied zu den Destillaten aus Getreide, meist Weizen, ist aus Kartoffeln gewonnener Wodka im Allgemeinen kräftiger und etwas süßer. Natürlich haben wir in unserem Sortiment auch Vodka der aus Kartoffeln gewonnen wird, z.B. der Chase Potato Vodka oder den Chopin Potato Vodka.

 

Branntwein aus Erdäpfeln: historische Entwicklung - Kartoffelschnaps gestern und heute

Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in Deutschland erstmals die Kartoffel als Nahrungsmittel angebaut. Etwa 100 Jahre später, um 1750 ging dann die erste Kartoffelbrennerei in Betrieb. Es dauerte allerdings noch eine Weile, bis Kartoffelschnaps seinen Durchbruch hatte. Erst nach 1817 war es möglich, mittels eines speziellen Destillierverfahrens hochprozentigen Alkohol aus Kartoffeln herzustellen. Kartoffeln waren inzwischen zu einem der Hauptnahrungsmittel herangewachsen und so erfreute sich die Herstellung von Schnaps in der Folgezeit wachsender Begeisterung. In seiner Hoch-Zeit schossen die Kartoffelbrennereien sprichwörtlich wie Pilze aus dem Boden. Kartoffelschnaps war billig und so war es durchaus üblich, dass Fabrikarbeitern ihr Lohn anteilig in Kartoffelschnaps ausgezahlt wurde. Als Folge daraus verbreitete sich in der Arbeiterschicht rasch Alkoholabhängigkeit, die mancherorts als Kartoffelschnaps-Pest bezeichnet wurde. 1887 wurde die Reichsbranntweinsteuer eingeführt und der Kartoffelschnaps damit teurer. 1912 schließlich kam es zur Überproduktion von Kartoffelschnaps und kurze Zeit darauf zusätzlich zu geringeren Abnahmen aufgrund des Ersten Weltkrieges. Außerdem formierten sich politische Vereinigungen gegen Alkoholmissbrauch. Das Überangebot an Kartoffelschnaps führte schließlich zur Verwendung als Industriealkohol, Spiritus und Kraftstoff.

Potato Vodka

Herstellung und Vertrieb von Kartoffelschnaps

Um Kartoffelschnaps herzustellen, werden die sorgfältig gewaschenen Kartoffeln zunächst mit kaltem Wasser angesetzt, schonend erhitzt und bei großer Hitze zu Brei verarbeitet. Nun werden entweder Enzyme von Bakterien oder Gerstenmalz zugesetzt, um den Verzuckerungsprozess in Ganz zu bringen. Je nach Zusatz wird gleichzeitig ein etwas anderer Geschmack erreicht. Hierdurch entsteht Maische, die für die alkoholische Gärung notwendig ist. Diese vollzieht sich bei einer konstanten Temperatur von um die 20° Celsius in der Regel innerhalb von drei Tagen. Jetzt kann das Destillieren beginnen, dass bei circa 75° C in Kupferkesseln erfolgt. Der Vorgang kann je nach gewünschtem Ergebnis wiederholt werden und bringt hochprozentige Brände hervor. Diese werden eine Weile kühl gelagert und schlussendlich mit Wasser verdünnt, um genießbare Werte zwischen 20 und 40 Volumen-Prozent Alkohol zu erreichen. Die meisten Kartoffelschnaps-Sorten sind klar, wie ihre originären Destillate. Zudem gibt es Erzeugnisse mit goldener Färbung: hier wurde der Kartoffelbrand in alten Eichenholzfässern gelagert und erhält dadurch neben seiner hübschen Farbgebung eine mild-aromatische Nuance. Einer der bekanntesten deutschen Hersteller ist die Firma Anton Riemerschmid aus München, die bekanntlich für den berühmt-berüchtigten Escorial Grün verantwortlich zeichnet und heute der Underberg-AG angehört. Auch die Waldemar Behn GmbH aus Eckernförde in Schleswig-Holstein ist in der Spirituosen-Szene keine Unbekannte: das Unternehmen stellt den beliebten Küstennebel her - einen trüben nordischen Anis-Schnaps in charakteristischen Flaschen, so wie den kultigen Friesengeist und den Partyknaller Kleiner Feigling. Besonders hochwertig ist der Kartoffelschnaps Münchner Kindl aus der Brennerei Hemmeter. Diese urtümliche Spezialität enthält 40% Alkohol und liegt bei einem Literpreis von um die 50 Euro.