Manche Destillerien nennen ihren Whisky einfach nach dem, was er ist. Beispielsweise ein Laphroaig Single Malt 10 Jahre alt. Andere kommen da schon auf abenteuerlich anmutende Namen, bei denen man sich fragt, ob es dazu eine Geschichte gibt. Manchmal scheint es wirklich eine echte Geschichte zu geben, die den Whisky zusätzlich noch mystifiziert. So hat Glenfiddich einen Whisky auf den Markt gebracht, der Snow Phoenix hieß. Wie kam es dazu? Der Winter 2009/2010 war recht streng, eigentlich in ganz Europa. Viele werden sich auch noch in Deutschland an die Schneemassen erinnern, die er uns beschert hatte. So war es auch in Schottland. Rekordtemperaturen von um die -20° C und viel Schnee waren dort ebenfalls anzutreffen. Auch die Brennerei von Glenfiddich war unter einer dicken Schneedecke von mindestens einem Meter verborgen. OK, in der Region schneit es regelmäßig, aber nicht ganz so heftig. Die Schneemassen waren letztendlich zu viel für die Dächer der Lager. Am 7. Januar 210 brachen schließlich einige der Lagerhausdächer ein und begruben den dort gelagerten Whisky unter einer dicken Schneedecke. Es konnte nicht verhindert werden, dass zahlreiche Whiskyfässer der Kälte in dieser Nacht ausgesetzt waren. Der Frost machte es unmöglich, dass der Whisky sein eigentliches Reifeziel erreicht. Die Natur spielt bei der Reifung von Whisky normalerweise immer eine gewisse Rolle, dass sie aber mit so brachialer Gewalt über einen Whisky hereinbricht, damit hatte keiner gerechnet. Am Ende war guter Rat teuer. Der Whisky war zum ursprünglichen Zweck nicht mehr zu gebrauchen. Obwohl die Mitarbeiter der Destillerie ihr Möglichstes versuchten, waren einzelne Fässer unterschiedlichen Alters der Kälte ausgesetzt. So entstand die Idee, diese unterschiedlichen Whiskys zu vereinen. Der Malt Master Brian Kinsman, der schon vorher gerne mit den Temperaturen experimentierte, entwickelte einen non-aged Single Malt Whisky, der Whiskys in den Alterstufen von 13 bis mehr als 30 Jahren enthält. Wie der Phönix aus der Asche, so ist der Snow Phoenix aus dem Schnee entstanden, im übertragenen Sinn versteht sich. Diese Limited Edition von Glenfiddich kam Mitte November 2010 auf den Markt und hatte einen Alkoholgehalt von 47,3 %. Auch die Verpackung ließ ein bisschen auf die dramatische Entstehungsgeschichte dieses Whiskys schließen. Es ist sehr interessant, nach solchen Geschichten zu stöbern. Die eine oder andere ist sicherlich ein Marketing-Gag, aber dann ein ziemlich guter. An dieser Stelle wird es demnächst sicherlich noch mehr solcher Geschichten geben.