Kanadischer Whisky? Bei diesem Gedanken haben die meisten wohl wogende Roggenfelder vor Augen, die dem landestypischen Rye Whisky zu seinem leichten, reinen Geschmack verhelfen. Doch weder Roggen noch der allgemein in Amerika für die Whiskeyindustrie so grundlegende Mais werden in einer kanadischen Destillerie verarbeitet, die mit ihren weißen Gebäuden und den pittoresken Pagoden schottischer anmutet als so manche Destillerie auf schottischem Boden. In der Destillerie Glenora an der Ostküste von Kanada wird ein Single Malt Whisky namens Glen Breton hergestellt, ganz in der Tradition der Einwanderer, die diesem Landstrich ihren Namen gaben: Nova Scotia. Es gehörte eine große Portion Idealismus dazu, als der kanadische Geschäftsmann Bruce Jardin im Jahr 1989 begann, seinen Traum von einer Whisky-Destillerie in alter schottischer Tradition in die Realität umzusetzen. Das ideale Klima und sauberes Wasser war hier an den Glenora Falls auf der Halbinsel Cape Breton vorhanden und zu den die Produktions- und Lagerhäusern wurde auch gleich ein Gästehaus und das Glenora Inn hinzugebaut, um die Rentabilität der Destillerie auch durch zusätzliche Einnahmequellen zu gewährleisten. Das Wichtigste aber beschaffte Bruce Jardin auf einer Reise in die Heimat des Single Malt: Die Pot Stills wurden von Forsyth & Sons aus Rothes gefertigt, wie es sich für eine ordentliche neu-schottische Destillerie gehört. Auch die Mash Tun und hölzerne Washbacks erwarb Jardin auf seiner Einkaufstour. Bowmore war übrigens eine seiner Stationen und hier holte er sich wertvolle Informationen und Tipps zur Whiskyherstellung. Vom Malting bis zur Fasslagerung werden in Glenora sämtliche Produktionsvorgänge in schottischer Tradition durchgeführt. So nahm dann Glenora 1990 die Produktion auf und die erzeugten 20 Fässer aus diesem Jahrgang konnten sich drei Jahre später rühmen, der erste nordamerikanische Single Malt Whisky zu sein. Heute reicht die Palette vom 10-jährigen Glen Breton Rare bis zum 15jährigen Glen Breton Ice und beweist, dass Single Malt Whisky auch in der Neuen Welt mit großem Erfolg produziert werden kann. Übrigens führte die Scotch Whisky Association mit Glenora einen neunjährigen gerichtlichen Streit um das Namensrecht für Glen Breton. Das „Glen“ im Namen würde eine Verwechslung mit schottischem Whisky nahelegen. Vergeblich - Der kanadische Single Malt Whisky darf den Namen Glen Breton tragen.