Wer schon einige Destillerien besucht hat, dem ist der Ablauf einer Standardtour vertraut, denn meist laufen sie nach dem gleichen Schema ab: Begrüßung, einige Worte zu Destillerie und Geschichte und dann geht es durch die Produktionsräume von der Mühle zur Mashtun, weiter zu den Washbacks, den Pot Stills und den Lagerhäusern. Natürlich darf ein Dram des hauseigenen Produktes als krönender Abschluss nicht fehlen. Was man nur noch selten zu sehen bekommt, ist der erste vorgelagerte Schritt, bei dem aus dem Ausgangsprodukt Gerste durch einen kontollierten Keimprozess das zuckerhaltige Malt entsteht. Fast alle schottischen Destillerien bekommen bereits das fertige Malt angeliefert. Die Destillerie Laphroaig auf Islay gehört zu den wenigen Whiskyproduzenten, die noch eigene Malting Floors betreiben. Auch der Torf, der verbrannt wird, um beim Trocknungsprozess für den geschmacksgebenden Rauch zu sorgen, wird auf Islay selbst per Hand gestochen. Einmal im Jahr ist großer Arbeitseinsatz und es heißt für die Mitarbeiter: Raus auf die Torffelder! Um interessierte Whiskyliebhaber auch mit diesem Teil des Herstellungsprozesses vertraut zu machen, bietet Laphroaig neben den normalen Besichtigungstouren auch den Hunter's Hike an (Der Name bezieht sich übrigens auf einen ehemaligen Besitzer der Destillerie). Die 25 Pfund für dieses besondere Erlebnis sind gut investiert. Eine vorherige Anmeldung ist aber unerlässlich, denn die Besuchergruppe ist auf acht Personen beschränkt. Die Tour startet um 9 Uhr bei der Destillerie mit dem Anlegen von unverzichtbaren Kleidungsstücken, den Gummistiefeln (in Schottland liebevoll Wellies genannt). Wer keine eigenen dabei hat, kann sich aus dem großen Fundus von Laphroaig bedienen. An eine kurze Fahrt in einem Kleinbus schließt sich ein kleiner Fußmarsch an, bei dem es mit dem Guide hinaus zum ersten Besichtigungspunkt geht, der Wasserquelle von Laphroaig. Der Kilbride Stream wird in einem kleinen Wasserreservoir angestaut, um die kontinuierliche Versorgung sicherzustellen. Neben Informationen und Anekdoten gibt es auch ein Gläschen des Laphroig in Fassstärke, der hier draußen mit etwas Quellwasser ergänzt werden kann - eine einzigartige Gelegenheit! (Wer jetzt denkt, für einen Dram sei es doch noch viel zu früh, dem sei gesagt, dass wir bei unserer Tour das absolut passende stimmungsvolle Wetter hatten: Ständiger leichter Nieselregen. Da kommt ein Schluck Whisky zum Wärmen und als vorbeugende Medizin gerade recht...) Weiter geht die Fahrt zu den Torffeldern an der A846 in der Nähe des inseleigenen Flughafens. Spätestens jetzt beim Gang über das feuchte Moor zeigt sich der unschätzbare Wert der Gummistiefel! Die historischen, aber immer noch verwendeten Werkzeuge stehen bereit und nach einer kurzen Einführung muss dann jeder selbst Hand anlegen und Torf stechen - der nächste Dram (die 10-jährige Standardabfüllung) will verdient sein!Torfstechen Hunter's Hike Laphroaig Zurück in der Destillerie beschließt der Besuch der Malting Floors den Hunter's Hike. Die auf dem Boden ausgelegte keimende Gerste muss regelmäßig gewendet werden und die Teilnehmer haben die Möglichkeit, selbst einmal auszuprobieren, wie sich der dazu verwendete Rechen führen lässt. Ein Blick ins glimmende Torffeuer, tatkräftiges Nachschaufeln von Torf, ein kräftiger Atemzug vom dichten Rauch im Kiln und ein letzter Dram (Quarter Cask) beschließen diesen ganz besonderen und erfahrungsreichen Vormittag.