GlenScotia1Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre war einst Heimat zahlreicher Destillerien. Rund 30 an der Zahl sollen es gewesen sein. Heute sind es drei Brennereien, die den Standort Campeltown als eigene Whiskyregion aufrechterhalten: Springbank, Glengyle (ebenfalls von Springbank betrieben; in diesem Beitrag hier hatte ich näheres über diese Brennerei berichtet, die seit kurzem den Kilkerran Single Malt herstellt) und Glen Scotia. Alle liegen mitten in der kleinen Stadt, nicht weit voneinander entfernt.

Gegründet wurde Glen Scotia 1832 von James Stewart und John & William Galbraith. Auf eine zunächst rege Periode folgte dann Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts wie überall in Schottland eine schwierige Zeit für die Whiskyindustrie. Viele Besitzerwechsel folgten und mehrere Male wurde die Brennerei stillgelegt. So auch zuletzt 1980. Mit der Übernahme durch Loch Lomond Distillers ging es wieder aufwärts und Glen Scotia läuft heute voll ausgelastet (Jahresproduktion laut Homepage rund 150.000 Liter) und stellt einen qualitativ hochwertigen Single Malt her. Der Single Malt von Glen Scotia ist fruchtig und würzig. Lange Zeit gab die Destillerie GlenScotia2selbst nur einen 14-Jährigen als Originalabfüllung heraus. Unabhängige Abfüller versorgten (undversorgen) Whiskyliebhaber auch mit weiteren Releases. Doch mittlerweile hat Glen Scotia seine Verkaufsrange erweitert und bietet ihren Single Malt als 10-, 12-, 14-, 16- und 18-Jährigen an und auch in diversen Einzelfassabfüllungen. Darunter gibt es auch leicht oder stark getorfte Varianten. Anfang 2013 wurde die Produktpalette und das Erscheinungsbild der Flaschen überarbeitet.

Werden Loch Lomond Distillers und Glen Scotia bald verkauft?

Derzeit scheint ein Umbruch bevorzustehen: Loch Lomond Distillers stehen in Verkaufsverhandlungen, Gerüche gibt es seit einigen Wochen (hier ein Bericht des Scotsman) und man darf gespannt sein, welche Auswirkungen das auf Glen Scotia hat, die gerade im Aufwärtstrend ist. Im Gegensatz zu Springbank gibt es bei Glen Scotia kein Visitor Center oder offizielle Touren zu festen Zeiten. Doch wer in der Stadt ist, sollte sich davon nicht abhalten lassen, sondern einfach im Verwaltungsgebäude an eine Tür klopfen und nachfragen. Wir erhielten bei einem Besuch 2011 die Möglichkeit, spontan einen Blick in die Brennerei zu werfen und als „Tourguide“ wurde einer der Arbeiter abgestellt. Solch eine unprofessionelle, aber handfeste Führung hat auch ihren Reiz! Doch sie bringt dann oft auch an den Tag, wie ein Destilleriebetrieb so aussieht, wenn er nicht ständig für die Öffentlichkeit herausgeputzt wird. Ich erinnere mich jedenfalls an ein nicht sehr sauberes Erscheinungsbild…