Neben den Ursprungsländern Irland und Schottland wird Whisky heutzutage in vielen anderen Ländern rund um die Welt gebrannt. Manchmal scheint dabei die Aufschrift „Whisky“ die einzige Gemeinsamkeit zu sein und der Geschmack dessen, an das ich mich aus Interesse heranwage, lässt mich erschauern. Aber sollte man deshalb pauschal zu allen Whiskys, die aus asiatischen oder anderen europäischen Ländern auf dem Markt sind, „nein, danke“ sagen? Oft ist das Ergebnis doch auch hervorragend und lecker! In Whiskyforen lese ich manchmal pauschale negative Urteile über deutsche, indische oder andere Newcomer der Whiskylandschaft und die Forderungen danach, dass Whisky nur brennen sollte, wer es auch traditionell schon immer getan hat. Müsste sich nicht eigentlich jeder, der verlangt, dass Whisky nur „ursprünglich“ oder „traditionell“ hergestellt wird, auch gegen die amerikanischen Whiskeys aussprechen? Die haben doch schließlich diese Kunst auch einmal importiert und ihren Verhältnissen angepasst, wie es jetzt andere Länder tun. Und andererseits: Bei einigen schottischen Produkten fühle ich mich geschmacklich genauso sehr an fruchtigen Obstler erinnert wie es den neuen deutschen Whiskys oft vorgeworfen wird (Kennen Sie beispielsweise den Nadurra von Glenlivet?). Und wie traditionell sind eigentlich Whisk(e)ys, die nicht nur Produkte aus den klassischen Pot Stills enthalten, sondern in Kolonnen gebrannt werden? Dürfen wir dann in Deutschland eigentlich keine Pizza mehr herstellen und müssen auf den Mais auf den Feldern verzichten? Die EU-Verordnung legt den Rahmen dessen fest, was unter dem Begriff „Whisky“ oder „Whiskey“ vertrieben werden darf, um für den Schutz des Begriffes zu sorgen, aber von Herkunftsländern oder Geschmack ist dort nichts zu lesen. Was für ein Glück, denn nichts sorgt doch in der Whiskywelt so für anregende Diskussionen und Abwechslung wie der unterschiedliche Geschmack. Ich mag auch nicht jeden Whisky, aber das mache ich nicht daran fest, aus welchem Land er stammt, sondern ganz einfach daran, ob er mir schmeckt oder nicht. Und wer trotzdem meint, er würde jeden sogenannten Exoten sofort herausschmecken können, der lasse sich doch einmal auf ein Blind Tasting ein, so wie wir es vor einiger Zeit auf einer Messe taten. Charles McLean hatte seine helle Freude daran, als viele der Teilnehmer den untergeschobenen jungen Amrut als edlen, alten Mccallan einstuften….