Was wurde eigentlich aus … Doornkaat?

Vom ostfriesischen Urgestein zur In-Spirituose des Wirtschaftswunders Doornkaat
ist wohl hierzulande noch immer der bekannteste Weizenkorn. Dennoch ist der klare Ostfriese eine ganze Weile von der Bildfläche verschwunden. Der Name Doornkaat geht auf den niederländischen Firmengründer Jan ten Doornkaat Koolmann zurück und was kaum jemand weiß: Doornkaat ist über 200 Jahre alt und sogar vom großartigen Wilhelm Busch beschrieben worden. Jan ten Doornkaat Koolmann kaufte 1806 eine kleine Brennerei in der Stadt Norden hoch im Norden Deutschlands in einer Gegend, die zu seiner Zeit nicht gerade beliebt für guten Schnaps war. Doch eben darin bestand die Herausforderung, einen besonders feinen und reinen Kornbrand herzustellen, um damit den Ruf der Region wieder herzustellen. Schon bald machte sich die Destillerie mit ihrem Doornkaat einen guten Namen und konnte die Marke 1894 im deutschen Markenregister anmelden.

Komiker für Doornkaat
Mit der Kultfigur Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling hat die Berentzen Gruppe aus Haselünne im Emsland versucht, an die alten Zeiten der 50-er und 60-er Jahre anzuknüpfen. Und tatsächlich scheint die Rechnung aufzugehen, denn Doornkaat erlebt seit Kurzem wieder ein echtes Revival. Dabei war er nie ganz fort: In den Zeiten des Wirtschaftswunders verband die Gesellschaft Doornkaat mit dem großen Entertainer Heinz Erhard, denn dieser genoss insbesondere vor seinen Auftritten gern ein Gläschen des erlesenen Korns und warb ausgesprochen gerne für Doornkaat. „Dodo“ nannte der berühmte und beliebte Komiker denn auch liebevoll sein Schnäpschen. Es galt als Schick, nach dem Essen gemeinsam einen so genannten Klaren zu trinken. In den 70-er und 80-er Jahren kam es durch Managementfehler zum Verkauf der Firma und so erwarb die Berenzten-Gruppe Doornkaat. Der herbe Schlag war für die Stadt Norden wirtschaftlich nicht leicht zu verkraften und so konnte zumindest ein Großteil der Doornkaat-Mitarbeiter von Berentzen übernommen werden. Mit dem kölschen Urgesteins Horst Schlämmer blieb das Haus Berentzen werbetechnisch ebenso im Komiker-Genre wie das Mutterhaus Doornkaat. 1990 hatte Berentzen Deutschlands bekanntesten Korn in sein Produktportfolio übernommen. Doornkaat wird vor allem in der Gastronomie auch heute wieder gern als Digestiv gereicht und immerhin verkaufte die Berentzen-Gruppe im Jahr 2005 eine Million Flaschen Doornkaat. Doornkaat gehört nach wie vor zu den Premium-Spirituosen, auch, wenn es zwischenzeitlich etwas ruhiger um den markanten Ostfriesen geworden ist. Berentzen bewirbt seine Markenspirituose damit, dass Doornkaat durch seine besondere Reinheit, Milde und Klarheit den Idealvorstellungen der Verwender klarer Spirituosen entspreche.

Heiß geliebt und kalt getrunken
Charakteristisch ist die grüne Flasche in markant eckiger Form, welche die Urwüchsigkeit dieses dreifach gebrannten Korns unterstreicht. Eben weil Doornkaat mehrfach gebrannt ist, zeichnet ihn eine unnachahmliche Milde aus, die für Korn nicht unbedingt typisch ist. Doornkaat wird auch heute noch nach alter Handwerkskunst traditionell gebrannt. Der Weizenkorn wird dabei dreifach destilliert, was seinen ganz besonders weichen Geschmack und seine Reinheit ausmacht und verfügt über 38 Volumen-Prozent Alkoholanteil. Um die original Qualität und Milde sicherzustellen, hat Berentzen den alten Destillierapparat, mit dem Doornkaat seit eh und je hergestellt wird, mit der Marke zusammen nach Haselünne geholt, der etwa alle zwei bis drei Wochen turnusmäßig und nach wie vor in Betrieb ist. Es ist eine Hommage an die meisterliche Destillierkunst der guten alten Zeit. Das mag einer der Gründe sein, warum Doornkaat von Manchen eher als bevorzugte Spirituose der älteren Generation angesehen werden mag. Zudem hat Schnaps in Deutschland generell starke Konkurrenz durch Wodka und exotische Liköre erhalten. Diesem etwas angestaubten Image soll nun mit dem beliebten Horst Schlämmer, der gleich mehrere Generationen anspricht, abgeholfen werden.