Whisky gehört zu Schottland wie das Brandenburger Tor zu Berlin oder der Eiffelturm zu Paris. Sollte man meinen. Ist aber nicht so. Denn am Ende der Welt, in der Südspitze des südamerikanischen Festlandes, in Argentinien, wird voller Stolz Whisky produziert, der auch noch als qualitativ hochwertig eingestuft werden kann. Nun der Reihe nach. Seit 1967 wird in Argentinien Whisky mit dem Namen „The Breeders’ Choice, El elegido de los Criadores” etwa „der durch die Viehzüchter ausgesuchte“hergestellt. Als Don Julio Santiago Llorente diese Idee ereilte, getragen von dem argentinischen Grundsatz: „Wir können es besser!“, benutzte er den Namen der wichtigsten Tradition dieses südamerikanischen Landes, die Viehzucht. Dazu kam, dass die besten Rinderrassen, Aberdeen Angus, Hereford und Shorton aus dem Vereinigten Königreich nach Argentinien kamen, sodass der Name als Hommage an die wichtigste Einkommensquelle der Argentinier zu verstehen ist. Zur Herstellung dieses Whiskys werden beste schottische Malts, abgefüllt in Fässer amerikanischer Eiche nach Argentinien gebracht, wo in der Stadt Escobar, unweit der Hauptstadt Buenos Aires die edlen Importe bei der 5 Hektar einnehmenden Produktionsfirma J. Llorente y Cía. S.A. unter Beifügung argentinischer Ingredienzen ein Whisky hergestellt wird, der immerhin führend auf dem südamerikanischen Markt ist.   Selbstverständlich ist die Rezeptur ein eifrig gehütetes Betriebsgeheimnis. Aber die Produzenten wären keine Argentinier, wenn es mit etwas Lob gepaart mit einer Ration Anerkennung, möglichst in scharfer Form geäußert, nicht gelingen würde, zumindest einige Eckdaten dieser Rezeptur zu entlocken. So erzählt der Eigentümer Jorge Llorente, dass etwa 20 % des edlen Destillats evaporieren würden, was die Farbe der Ziegelsteine erklärt. Die verwendeten Highland Malts reifen vier Jahre am schottischen Ursprungsort, bevor diese in die Fässer abgefüllt werden, die im Hafen von Buenos Aires und dann in der besagten Firma ankommen. Unter anderem sind renommierte Destillerien dabei und es gelingt Namen zu entlocken, die wohlklingend wie Dufftown, Inchgower, Pittyvaich und Blair Athol sind. Nach dieser Vorgeschichte einer schottisch-argentinischen Symbiose sind die Erwartungen entsprechend hoch. Die Flasche, versehen mit einem eindrucksvollen Etikett mit Köpfen der Rasserinder, verbirgt einen Whisky mit einer dunklen Bernsteinfarbe. Der erste, wegen der geschilderten Exotik geradezu ehrfürchtig probierte Schluck überzeugt durch einen kräftigen aber nicht aufdringlichen torfigen Geschmack. Deutlich sind Weizen und angedeutete Fruchtaromen zu bemerken. Mit etwas Wasser vorsichtig vermischt, was allerdings mit einem Naserümpfen der Südamerikaner quittiert wird, wird der angenehme Holzgeschmack deutlicher. Der Abgang ist angenehm, weder brennend noch zu sanft. Der Breeders’ Choice, besser bekannt als „El elegido de los criadores“ ist ein ordentlicher, gut balancierter Whisky, der durchaus mit Erzeugnissen aus dem schottischem Ursprungsland mithalten kann. Kein herausragender Whisky, aber durchaus annehmbar. Nur: Lassen Sie das nicht die Argentinier hören!