Schon seit Monaten wartete die Ardbeg-Gemeinde unruhig auf das neueste Kind der fleißigen Islay-Destillerie. Anfang Juni war es endlich soweit: Die Committee-Abfüllung des Ardbeg Alligator wurde den Mitgliedern per Rundmail angeboten. Ardbeg handhabt es schon seit längerem so, dass die neuen Produkte vor dem allgemeinen Start den registrierten Committee-Mitgliedern „for discussion“ zur Verfügung stehen. Allerdings ist der Kreis nicht so erlaucht, wie es scheinen mag: Jeder kann sich kostenlos auf der Ardbeg-Homepage als Mitglied registrieren lassen und wird dann regelmäßig mit Newslettern und Angeboten auf dem Laufenden gehalten. Die Online-Bestellung war schnell getätigt (schließlich wurden nur 3000 Flaschen für den deutschen Markt bereit gestellt) und nur wenige Tage später trafen die beiden Flaschen ein (maximal zwei können jeweils bestellt werden). Der Preis: 63 Euro pro Flasche plus 8 Euro Versandkosten insgesamt. Wenn der Alligator im September in den normalen Handel kommt (von diesem Termin geht man derzeit aus), dürfte der Preis für die Flasche wohl ähnlich liegen. Der tierische Name des Whiskys hat seinen Ursprung in der speziellen Behandlung der Fässer. Die amerikanischen Ex-Bourbon-Fässer werden vor dem Befüllen ausgebrannt. Das ist nichts Ungewöhnliches und geschieht standardmäßig, um im Holz chemische Prozesse in Gang zu setzen, die den Einfluss ungewollter Aromen verhindern und andere erwünschte unterstützen. Ungewöhnlich ist aber der extreme Grad des Ausbrennens, der bei den Alligator-Fässern Anwendung findet. Die Amerikaner kennen Grad 1 bis 4, wobei der hier verwendete Grad 4 ungefähr 4 Minuten Behandlung bedeutet. Das Holz weist dann innen eine verkohlte, schuppige Holzkohlestruktur auf, die der Haut eines Alligators ähnelt. Der prüfende Blick aufs Label offenbart 51,2 % vol, aber keine Altersangabe. Non-chill-filtered wird proklamiert. Informationen und Interviews mit Dr. Bill Lumsden von Ardbeg war zu entnehmen, dass zur Herstellung des Alligators Whisky aus diesen speziellen Fässern des Grades 4 mit „normalem“ Ardbeg gevatted wird und man von einem durchschnittlichen Alter der Whiskys von 10 bis12 Jahren ausgehen kann. Die stark ausgebrannten Fässer machen bei diesem Vatting ungefähr 30 bis 35 % aus. Soweit also zur Vorgeschichte. Jetzt wird es Zeit, die Flasche zu öffnen! Tbc :-)