Die meisten Menschen wissen, was sie sich unter einem Aperitif vorzustellen haben. – Ein Aperitif ist ein kleiner alkoholischer Appetitmacher, der vor dem Essen gereicht wird. Vielmehr ist der Aperitif jedoch auch eine Einladung zur Konversation und damit kulturell fest verwurzelt. In der Schweiz, Italien und Frankreich gehört der Aperitif vor dem Essen selbstverständlich dazu, in Deutschland eher in den höheren Gesellschaftsschichten: es zeugt noch immer von besonderem Stil, seinen Gästen einen Aperitif zu reichen. Der Begriff Aperitif stammt aus der französischen Sprache und soll erst im 20. Jahrhundert aus der Lautsprache übernommen worden sein.

Ursprünglich dient der Aperitif dazu, den eintreffenden Gästen die Wartezeit bis zum gemeinsamen Essen so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch in vielen alten Filmen und auch heute noch werden Szenen gezeigt, in denen Damen und Herren mit Gläsern in der Hand angeregt miteinander plaudern. – Der so genannte Small Talk ist wohl untrennbar mit dem Aperitif verbunden. Als gesellschaftlich etabliertes Ritual hat er die Aufgabe, die Runde der Gesprächspartner aufzulockern, was gerade im geschäftlichen Bereich eine hohe Bedeutung hat. Small Talk ist der Beginn des gegenseitigen Kennenlernens – Triviales wie das berühmte Wetterthema ist unverfänglich, weil jeder seine Meinung dazu äußern kann und weil damit zu etwas persönlicheren Themen übergeleitet werden kann. Politik und religiöse Themen sollten dagegen vermieden werden. Zum Small Talk passt ein Gläschen Aperitif, von dem in der Regel höchstens zwei Gläschen genossen werden – alles andere würde als unschicklich gelten. So ist, wenn es dann zum Essen oder zum Meeting geht, das buchstäbliche Eis zwischen Fremden oft schon geschmolzen.

Neben diesen wichtigen soziokulturellen Aspekten hat der Aperitif kulinarische Zwecke, denn ein Aperitif soll die Gäste auf die bevorstehende Mahlzeit einstimmen, die Geschmacksnerven sensibilisieren und den Appetit anregen. Dabei darf der Aperitif nicht zu schwer sein; der Alkohol sollte keineswegs im Mittelpunkt stehen. Zwar gibt es je nach Nation bevorzugte Aperitif-Sorten, jedoch gibt es in diesem Bereich kaum ein richtig oder falsch. – Wichtig ist, dass der jeweilige Aperitif zum Anlass passt, zur jeweiligen Gesellschaft und zur bevorstehenden Mahlzeit.

Durch die Lande mit dem Aperitif

Beim italienischen Aperitivo etwa ist nicht nur der Aperitif und das Pläuschchen Bestandteil, sondern sich abends mit Familie und Freunden in Bars zu treffen, ein Gläschen in Ehren miteinander zu trinken und kleine Häppchen dazu zu essen, etwa Salzgebäck, Käse, Pistazien und Oliven. In Spanien gibt es dafür den Begriff Tapeo: hier werden zum Alkohol ebenfalls kleine Häppchen gereicht: die beliebten Tapas. Aus Italien stammt auch der Campari, der nun vor allem als Campari Soda und Campari Orange der Inbegriff eines klassischen Aperitif ist. Der spezielle bitter-süße Geschmack des Camparis steht stellvertretend wie keine andere Spirituose für die italienischen Momente im Leben – das Dolce Vita. Der leuchtend rote Campari gehört zur Basisausstattung einer jeden Club- und Haus-Bar: sein unvergleichliches Aroma wird durch die Komposition von 86 verschiedenen Früchten, Kräutern und Gewürzen erreicht. Darüber hinaus ist man in Italien stolz auf die unterschiedlichen feinen Grappa-Sorten, die gleichermaßen als Aperitif und Digestif gereicht werden. Auch Deutschland hat im Bereich Aperitif Klassiker zu bieten: den vornehmen Martini Dry und den erfrischend fruchtigen Kir oder Kir Royal, der besonders in der Damenwelt nach wie vor sehr gut ankommt. Für den Kir werden in der Regel ein Teil Crème de Cassis Likör mit 9 Teilen trockenem Weißwein gemischt. Beim Kir Royal wird in denselben Anteilen anstelle von trockenem Weißwein Champagner oder ein zumindest sehr guter trockener Sekt verwendet: ein sehr prickelnder und belebender Aperitif. - Ein Gläschen erlesener Portwein oder ein ausgezeichneter Sherry sind in gehobenen Kreisen ebenfalls elegante Konversationsbegleiter.