Gemeinsam alkoholische Getränke im Rahmen der Geselligkeit zu sich zu nehmen, ist schon seit vielen Jahrhunderten Bestandteil vieler Kulturen. Das berühmte Gläschen in Ehren kann niemand verwehren. Ursprünglich aus bitteren Heilelixieren zu medizinischen Zwecken hatten sich süß schmeckende Liköre entwickelt. Es stellte sich heraus, dass auch die süß schmeckenden Varianten zumindest dem Wohlbefinden dienten und bei Magenbeschwerden oder nach üppigen Mahlzeiten verdauungsunterstützend dienten. Das aus den Gaben der Natur: Weintrauben, Getreide, Zuckerrohr, Agaven, unzähligen Früchten und Kräutern hochwertige Spirituosen hergestellt werden können, ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Seit jeher wurden Brände hergestellt und auf ihrer Basis weiterentwickelt. Brände erlebten im späten 20. Jahrhundert besonders durch den Einfluss des Fernsehens ein regelrechtes In-Revival. Kaum eine Fernsehserie, die ohne Szenen auskam, in denen es als schick galt, während der Dialoge ein gepflegtes Gläschen Sherry, Wein oder Cognac in der Hand zu halten. In diesem Zusammenhang taucht Bösewicht J.R. Ewing aus der amerikanischen Kultserie vor dem geistigen Auge auf: Es gehörte einfach zum so genannten „guten Ton“, Brandy bei jeder Gelegenheit zu schlürfen, wie andere Leute Wasser oder Tee trinken.

Alkoholprävention: Nein Danke?
Doch bei allem Genuss darf eines nicht verschwiegen werden: Regelmäßiger Alkoholkonsum kann je nachdem zu Abhängigkeit führen. Die Tatsache, dass Aufklärung immer wieder einmal nur ganz leise durchklingt und das Thema Alkohol zu sehr verharmlost wird, führt leider auch dazu, dass alleine in Deutschland die Zahl der Jugendlichen, die völlig zugedröhnt auf Großveranstaltungen medizinisch behandelt werden müssen, zugenommen hat. Das ist auch ein Ergebnis von Gruppenzwang und absurden Mutproben. - Das sogenannte Koma-Saufen gilt noch immer als cool und hat bereits einige Todesopfer gefordert. Die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren, die wegen Cannabis- oder Alkoholmissbrauch in Krankenhäusern behandelt werden mussten, betrug im Jahr 2010 um die 45.000. Dabei ist die Zahl männlicher Betroffener fast doppelt so hoch, wie die der Mädchen und jungen Frauen. – Und die Kinder, die Alkohol konsumieren, werden immer jünger: eine andere Studie einer großen Krankenkasse hat ebenfalls im Jahr 2010 Daten von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 (!) und 20 Jahren erhoben, wonach 26.000 wegen einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert wurden.

Alkohol ja, aber in Maßen, nicht in Massen
Angesichts von Präventionskampagnen wie zum Beispiel aktuell „Alkohol? Kenn Dein Limit“, die wiederum von Krankenkassen finanziert werden, gehen Härtefälle zwar allmählich zurück; insgesamt nehmen die Kampagnen jedoch eher weniger Einfluss auf das Konsumverhalten. Es sei demzufolge die Frage erlaubt, wie es kommt, dass es seit Jahrzehnten in den Medien viel mehr Werbung für alkoholhaltige Getränke jeglicher Art publiziert wird, als für Obst und Gemüse? Vermutlich betrachtet die Menschheit Obst und Gemüse als Grundnahrungsmittel. Von Alkohol allein kann sich kein Mensch ernähren, zumindest nicht langfristig. Mit der Herstellung von Spirituosen wird jedoch international weitaus mehr Geld verdient als mit der Produktion aus dem Obst- und Gemüseanbau. Die Spirituosen-Industrie geht gezielt auf die Wünsche ihrer Kunden und den sich wandelnden Geschmack ein. Waren es zu Beginn des 20. Jahrhundert sehr hochprozentige Spirituosen wie etwa Absinth, deren Konsum als vornehm galt, sind es heute Produkte mit der Tendenz zu leichterem Genuss. Dies spiegelt sich etwa darin, dass Light-Biere in Absatz und Vielfalt rasant angestiegen sind. Ebenso werden leichtere Sektsorten und Cocktails angeboten. Die Zahl derjenigen, die alkoholisiert Auto fahren, ist offenbar in diesem Zusammenhang zurückgegangen. Dieser Aspekt lässt hoffen. Wie im richtigen Leben funktioniert es nicht ohne verantwortungsbewussten Umgang, den Erwachsene Kindern und Jugendlichen vorleben müssen. Alkohol ja, aber in Maßen, nicht in Massen.