Die Speyside ist ein Eldorado für whiskyliebende Schottlandbesucher. Eine Destillerie an der anderen, da fällt die Wahl schwer, welche man besucht - für alle wird die Zeit nie reichen. Ein Tipp: Wenn Sie in der Gegend von Dufftown sind, dann sollten Sie in den Nachbarort Charlestown of Aberlour fahren und die dortige Aberlour Distillery besuchen.

In der Nähe der „Mündung des Lour“, wie der Name es verheißt, erbaute James Fleming 1879 die Brennerei, die mittlerweile unter französischer Leitung von Pernod Ricard betrieben wird. James Fleming schuf mit dieser Brennerei nicht nur Arbeitsplätze in dem kleinen Örtchen, sondern engagierte sich finanziell auch rege für die Allgemeinheit dort. Er erbaute nicht nur ein Krankenhaus und die Town Hall, sondern auch eine solide Brücke über den River Spey, da dort oft Menschen beim Übersetzen ans andere Ufer auf Grund reißender Strömung ums Leben kamen. Wir waren Ende September 2011 in Aberlour und brauchten nach der Destillerie nicht lange zu suchen: Sie ist nicht zu verfehlen, wenn man den Ort auf der Hauptstraße durchfährt. Zweimal täglich wird eine „Warehouse No. 1 Tour“ angeboten, eine vorherige telefonische Anmeldung ist zu empfehlen, da die Gruppen klein gehalten werden. Rund zwei Stunden sollte man einplanen und sich durch den Preis von 12 Pfund pro Person nicht abschrecken lassen: Die lohnen sich auf jeden Fall, denn nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Destillerie und des Ortes und nach Besichtigung der Anlage und Erläuterung des Produktionsprozesses gibt es ein besonders Highlight: Ein ausführliches Tasting mit fachmännischen Erläuterungen zu den Drams, die man verkostet. Sechs Gläser standen vor jedem Besucher auf dem Tisch und enthielten einen New Make, je einen 12-, 16- und 18-Jährigen, einen Bourbon Cask Strenght und einen Sherry Cask Strenght. Die meisten Aberlour Produkte sind „double cask matured“, das heißt, sie werden im Vatting aus Whiskys hergestellt, die zuvor getrennt in Ex-Eiche- und Ex-Sherryfässern gelagert wurden. Beim Tasting wurden ausführlich die Unterschiede beider Whiskys herausgearbeitet. Natürlich blieb auch der Aberlour A’Bunadh nicht unerwähnt, der nur aus Whiskys aus hervorragenden Es-Sherryfässern entsteht und batchweisege kennzeichnet in Fassstärke vertrieben wird. Wir brauchten nicht lange zu bitten, um unsere Tasting-Palette um einen weiteren Dram zu ergänzen und den A’Bunadh aus Batch 37 zu tasten. Wenn Sie Glück haben, führt Sie vielleicht Boa (das ist sein Vorname…) durch Destillerie und Tasting, ein hochqualifizierter Mitarbeiter von Pernod-Ricard, der ein Distilling-Studium in Schottland absolviert hat. Er beantwortete auch unsere detailliertesten Fragen nach Herstellungsprozess oder chemischen Zusammenhängen geduldig und kompetent– kein Vergleich zu einer üblichen Touri-Tour unter der Leitung einer studentischen Ferienaushilfe!