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Wenn einmal gereift nicht genug ist – das Finish

 

Es hat sich viel getan auf dem Whiskymarkt, seit David Stewart 1992 erstmals beschloss, einen Teil des 10jährigen Balvenie nach dem Reifen in den üblichen Bourbonfässern zusätzlich zwei Jahre in Oloroso-Sherryfässern zu lagern. Dem so entstandenen Beispiel des The Balvenie Double Wood schlossen sich viele Brennereien und unabhängige Abfüller an und versuchten, Whiskys durch Nachlagerungen in Sherry-, Madeira-, Portwein-, Marsala-, Rotwein-, Rumfässern oder sonstigen Fassarten zu verändern. Laphroaig hat beispielsweise sehr viel Erfolg mit seinem Quarter Cask, bei dem durch eine zweite Lagerung in kleinen Fässern ein sehr intensiver Holzkontakt geschaffen wird. Der Balvenie Islay Cask ist ein 17jähriger Speysider, der ein halbes Jahr zusätzlich in einem Fass verbringt, das vorher Islay-Whisky enthielt. Spielereien wie Finishes in Heringsfässern führen zwar zu Aha-Erlebnissen, aber nicht unbedingt zur Begeisterung der Whiskywelt.

 

Was eigentlich ein Finish ist, wie es auszusehen hat, was geht und was nicht, darüber gibt es keine Regelungen. Dementsprechend variantenreich zeigen sich mache Destillerien (Bruichladdich wird in der Beziehung immer als bestes Beispiel genannt), frei nach dem Motto: Alles ist möglich. Und da es auch keine vorgeschriebene Benennung gibt, muss man das Label manchmal ganz genau anschauen, um das Finish herauszulesen. Die Bezeichnungen reichen von „Double Matured“, „Cask Finish“, „Extra Maturation“ (Glenmorangie), „Mellowed in“ (Glen Moray) bis zu „Additional Cask Enhancement“ (Bruichladdich). Es kommt vor, dass ein Finish nicht aus dem Namen ersichtlich ist (The sixteen – First Growth, Bruichladdich). Auch der Zeitraum, den der Whisky in den verschiedenen Fässern verbringt, variiert stark und reicht von wenigen Monaten bis zu Jahren. Es sind zum Teil die Destillerien selbst, die zusätzlich zu ihren Standardwhiskys Finishes erzeugen. Einen großen Marktanteil haben aber vor allem die unabhängigen Abfüller, die Fässer der Destillerien aufkaufen und mit Finishes für bunte Angebotspaletten sorgen.

 

Die Ansichten der Whiskygemeinde über Finishes sind geteilt. Die einen beharren darauf, dass ein Whisky dadurch seinen typischen Charakter verliert und bezeichnen es als „Inzucht“, die anderen sehen darin die Chance, einen Whisky geschmacklich abzurunden und sprechen vom „letzten Schliff“. Wie immer muss auch hier gelten: Jeder nach seinem Geschmack. Die Finishes machen nur knapp 10% des Whiskyangebotes aus, so dass es sicher übertrieben wäre, von einer Gefahr für den Erhalt der ursprünglichen Whiskysorten zu reden.

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