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Der Absinth und die USA

Die Blütezeit von Absinth in den USA

Nicht nur in europäischen Ländern begeisterte Absinth Arbeiter, leitende Angestellte und Künstler. Auch am amerikanischen Kontinent wurde dieses belebende Getränk sehr geschätzt. Da die zur Herstellung von Absinth benötigten Rohstoffe Wermut und Anis auch in den Vereinigten Staaten zu finden waren und nach wie vor auch sind, war es möglich, dass Absinth Fuß fassen konnte. Amerikanische Absinthe waren zur Blütezeit des Absinthes keine Seltenheit. Die Rezepturen unterschieden sich sehr deutlich von europäischen, da der amerikanische Geschmack kulturell bedingt anders ausfiel. Oftmals verwendeten die amerikanischen Destillateure weniger Anis, dafür frische Kräuter wie Minze und Zitronenmelisse. Doch Herstellung und Genuss von Absinth wurde wie in Europa auch in den Vereinigten Staaten für viele Jahre verboten. Absinth hatte und hat auch in den USA einen hervorragenden Ruf, da auch dort die Geschichte und der Mythos bekannt sind und großer Wert auf den besonderen und aromatischen Geschmack gelegt wurde.

Nachdem sich Absinth in Europa im Bezug auf Herstellung und Genuss auf dem Höhepunkt befand und in Cafés immer beliebter wurde, wurden auch Menschen in Amerika auf dieses Getränk aufmerksam, worauf sich Absinth auch dort ausbreiten konnte. Als wichtigste Stadt in diesem Zusammenhang ist New Orleans zu nennen, welche als das kleine Paris bekannt wurde. Im Jahr 1906 existierten in dieser Stadt mehr als 2000 Lokale und Bars, in welchen Absinth angeboten wurde. Die bekannteste Gaststätte war das Old Absinthe House in der Bourbon Street, welche seit 1826 Absinth ausschenkte und somit einen legendären Ruf genoss. Dieses Haus existiert auch heute noch, Es ist in der Nähe des Nationalhistorischen Parks und dem Gebiet Jean Lafitte  im Storyville District, und einer Kochschule in New Orleans zu finden. In unmittelbarer Nähe liegt Pat O’Brien Bar sowie der Jackson-Square, die Kathedrale Saint Louis sowie die Bourbon Street.

Die Prohibition

Wie in Europa wurde auch in New Orleans und anderen Städten der Konsum von Absinths  übertrieben, wodurch mehr und mehr Konsumenten Menschen in Gefahr gerieten. Auch in den USA formierten sich Gegner des Absinths, ohne von den zahlreichen, vom Absinthgenuss hervorgerufenen Problemen in Europa erfahren zu haben. Als im Jahr 1912 Absinth von staatlicher Seite verboten wurde, war dies der Auftakt zur im Jahr 1919 erlassenen Prohibition. So wurden ab dem 16. Januar 1920 Herstellung, Verkauf und Transport aller alkoholischen Getränke zur Gänze bei Strafen untersagt. Absinth zählte zu den Vorboten dieser Entwicklung. Zahlreiche Staaten riefen die Prohibition bereits vor dem Ersten Weltkrieg aus. Als treibende Kräfte können die 1869 gegründete Prohibitionspartei und zahllose christliche Verbände angegeben werden.

Die Partei wurde im Jahre 1869 gegründet und hatte sich den Kampf gegen den Alkohol zum Ziel gesetzt indem sie für ein striktes Verbot der Herstellung und des Handels mit alkoholischen Getränken eintrat. Politisch war die Partei zu keinem Zeitpunkt in der Lage, die Vormachtstellung der Demokratischen bzw. der Republikanischen Partei zu brechen. Jedoch ihr Einfluss führte 1919 zum 18. Verfassungszusatz, durch welchen die Prohibition in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben wurde. Die Partei existiert auch aktuell noch in den USA, fristet jedoch ein bedeutungsloses Dasein. Der Partei gelang es lediglich, zwei ihrer Mitglieder für höhere Ämter vorzuschlagen. Es handelte sich dabei um den Abgeordneten zum Kongress namens Charles Randall, welcher in den 1910er Jahren Kalifornien in Washington vertrat und Sidney Catts, der Gouverneur von Florida.

Nach dem sich dieses Gesetz in den 1920er Jahren als nicht durchführbar erwies und davon lediglich Alkoholschmuggler und das organisierte Verbrechen „profitierte“, wurde es 1933 mit dem 21. Verfassungszusatz außer Kraft gesetzt, worauf erste Staaten wieder die Herstellung und Ausschank von alkoholische n, darunter auch Absinth, gestatteten.. In konservativ regierten Staaten war jedoch bis in die 1960er Jahre der Konsum von Alkohol weiterhin verboten. Dies betraf jedoch nicht die Freigabe von Absinths, dieser blieb noch bis 2007 verboten.

Zur aktuellen Lage von Absinth in den USA

2007 wurde Absinth in den USA wieder zum Verkauf freigegeben. Und schon kurz darauf führten Unternehmen Absinth aus Frankreich ein. Doch wurden lediglich solche Absinths orten zum Verbrauch freigegeben, welche beinahe kein Thujon enthielten, wodurch keine gesundheitsschädlichen Wirkungen zu befürchten sind.

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei Thujon um ein Nervengift, welches aus verschiedenen Kräutern gewonnen werden kann. Thujon ist sowohl in Wermut wie auch in Beifuß, Salbei, Rosmarin und Thymian enthalten. Thujon, eine farblose Flüssigkeit, zeichnet sich durch mentholartigen Geruch aus. Thujon wurde vile Jahre lang nachgesagt, im Absinth Halluzinationen hervorzurufen und sehr gesundheitsschädlich zu sein. Dies konnte, wie ebenfalls bereits erwähnt, durch neueste Forschungen widerlegt werden. Thujon ist zwar tatsächlich in der Lage, Halluzinationen hervorzurufen, jedoch nicht geringen Mengen. Daher enthalten aktuell produzierte Absinthmarken im Vergleich zu Absinth des 19. Jahrhunderts geringfügig höhere Mengen an Thujon.

Unterschiedliche in Europa begründete Trinkrituale sind auch aktuell in den USA bekannt. In diesem Zusammenhang orientierten sich amerikanischer Absinthliebhaber an französischen Ritualen, welche zur Blütezeit aktuell waren und sich auch aktuell wieder großer Beliebtheit erfreuen. So werden in den USA zwei Stück Zucker auf eine Löffel gelegt und kaltes Wasser darüber getropft, bis die Zuckerwürfel vollständig aufgelöst sind. Neuerdings werden Absinthe über Eiswürfel gegossen. Auf diese Weise werden die bitteren Noten Absinth stark abgemildert.

Nachdem nun Absinth auch in den USA wiederum vermehrt genossen wird, kann der Bedarf mit Erzeugnissen aus Europa gedeckt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich wesentlich mehr amerikanische Destillerien diesen Trend zunutze machen. Es existieren bereits in den USA hergestellte Produkte, worauf noch näher eingegangen wird. Es werden jedoch lebhafte Debatten den Thujongehalt betreffend geführt, wobei einerseits der Begrenzung des Thujon das Wort geredet wird und andererseits haben sich Anhänger des klassischen Absinths formiert, welche die Behauptung aufstellen, dass „absinth without thujone is like Playboy without the photos“, also ein Absinth ohne Thujon wie ein Playboy ohne die Fotos seiner Eroberungen anzusehen ist.

In amerikanischen Organisation wird bereits darüber diskutiert, welchen Einfluss Absinth auf die Kunstszene nehmen wird. Liebhaber erhoffen sich ähnliche schöpferische Wirkungen, wie sie im Bezug auf europäische Künstler in seiner Blütezeit aufgezeigt werden konnten. In amerikanischen Clubs und Szenelokalen kann ein Anstieg des Absinthkonsums festgestellt werden, was darauf schließen lässt, dass besonders an der Ostküster der USA, und hier besonders in New York, Absinth mehr und mehr Marktanteile gewinnen wird.

Der amerikanische Absinthproduzent Dempsey

Dies hofft auch einer der bekanntesten Absinthproduzenten in den USA, das Unternehmen Dempsey. Der Gründer des Unternehmens, Patrick Dempsey wurde 1822 in Rathbran, im County Wicklow auf Irland geboren und wanderte 1842 nach Amerika aus. Im Jahre 1846 übersiedelte Patrick Dempsey zieht nach Lowell im Staat Massachusetts  gründete ein Unternehmen, welches er im Jahre 1846 P. Dempsey & Company nannte und sich fortan mit dem Handel von Likören befasste. Im Jahre 1890 trat der Sohn George C. Dempsey in das Unternehmen ein und als 1899 Patrick Dempsey in den Ruhestand trat, übernahm George C. Dempsey gemeinsam mit Patrick Keyes die Leitung des Unternehmens. Diese beiden Männer expandierten und eröffneten 1902 eine Brennerei und ein Lager in Boston. Der Sohn des Gründers verstarb 1902 in Lowell, Massachusetts. Nach dem am 1. Oktober 1912 verhängten Verbot der der Einfuhr von Absinth wurde das Unternehmen von Kayes weiterbetrieben und im Januar des Jahres 1914 in P. Dempsey & Co. umbenannt und 1922 aufgelöst. Erst im Jahre 2010 wurde der Betrieb wieder eröffnet und die Produktion wieder aufgenommen. Das Flaggschiff des Hauses ist Absinth der Marke Butterfly. Es handelt sich dabei um die Reproduktion der klassischen Rezeptur, welche innerhalb der Familie Dempsey sorgsam gehütet wurde.

Absinth Butterfly überzeugt vor allem aufgrund seines frischen, zitronig-minzigen Geschmacks. Butterfly Absinth ist eine moderne Interpretation eines klassischen Pre-Prohibition Absinths, welcher  in Boston in den ersten 1900er Jahren produziert wurde. In Amerika wurde Absinth in einem eigenen, in Europa bisher unbekannten Stil kreiert. Für amerikanischen Absinth wurden Kräuter aus dem mittleren Westen der USA verwendet. Wermut wurden im ganzen Land angebaut und auch nach Europa exportiert. Aktuell hergestellter Butterfly Absinth hebt sich von anderen klassischen Absinthen durch die Verwendung von Minze, Limettenschalen und anderen Kräutern ab. Kenner bescheinigen ihm komplexen Geschmack, welcher als sehr erfrischend angesehen wird. Im Rahmen seiner Herstellung werden handverlesene feinste Kräuter, Gewürze und Blüten verwendet, welche von hoher Qualität sind und weltweit bezogen werden.

Amerikanische Absinth-Literatur

Das Buch A Taste for Absinthe wurde im Jahre 2010 veröffentlicht. Es handelt sich vor allem um eine Sammlung moderner und klassischer Rezepte für Absinthcocktails. Darunter der unter Liebhabern und Kenner bekannte "Sazerac", bestehend aus Absinth, Rye Whiskey und Angostura Bitter. Das Buch enthält zahlreiche weitere, von auch in Europa bekannten amerikanischen Barkeepern kreierte, ausgefallene aber dennoch reproduzierbare  Drinks. Das Werk wurde in die Kapitel "Absinthe Classics", "Fruit & Citrus", Whiskey & Gin", "Liqueurs & Bitters" und "Modern Classics & Cutting Edge" Absinth-Cocktails gegliedert. In das Buch wurden auch Informationen zur Geschichte des Absinth, Zubehör für Trinkrituale und Marken aufgenommen.

Unter den zahlreichen Rezepturen findet sich auch jenes für einen Drink, welcher in der Absinthe Brasserie & Bar in San Francisco kreiert wurde. Der Drink besticht durch Aromen nach Malz, von Blos Genever, an Kräutern angelehnte Noten des Vieux Pontarlier Absinthe, Apricot Brandy und einem Hauch Minzbitter, einer Zutat, nach welcher dieser Cocktail an die Cocktails Mint Julep und Mojito angelehnt ist. Für seine Herstellung werden zwei Teile Bols Genever, ein halber Teil Absinthe Vieux Pontarlier, ein halber Teil Apricot Brandy, ein Spritzer Mint Bitters benötigt. Bols Genever, Absinthe Vieux Pontarlier und Apricot Brandy werden hierzu in einen mit Eis gefüllten Shaker gegeben. Anschließend kommt ein Spritzer Mint Bitters dazu und alles eine halbe Minute gerührt, bis der Drink kalt geworden ist, dann wird er in ein vorgekühltes Port Glas abgeseiht.

Nach Berichten von Absinthliebhabern, sollten Besucher der der Absinthe Brasserie & Bar in San Francisco ansprechend gekleidet sein. Alle Cocktails sind auf der Karte mit 11 Dollar angegeben, wobei vor allem der 21 Hayes Cocktail hervorsticht. Zu begeisterten Besuchern zählen vor allem Stars aus Hollywood. 

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