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Die Geschichte des Absinth

Vorbemerkungen

Genuss und Absatz von Absinth wurden in der Vergangenheit in zahleichen europäischen Staaten und den USA verboten nachdem ein Mordfall im August des Jahres 1905 in der Waadtländer Gemeinde Commugny europaweit Aufsehen erregte. Nachdem bekannt wurde, dass der Weinbergarbeiter Jean Lanfray an jenem Tag neben Wein Branntwein sowie zwei Gläser Absinth zu sich nahm, wurde Herstellung und Verkauf von thujonhaltigen Getränken in zahlreichen europäischen Ländern und den USA per Gesetz verboten. In diesem Zusammenhang wird auf die in Absinth befindlichen Wirkstoffe nach einem geschichtlichen Überblick näher eingegangen.

In Auftrag gegebene Studien konnten den Verdacht der Schädigung durch Absinthkonsum nicht nachweisen. In der Vergangenheit festgestellte gesundheitliche Schäden werden aktuell auf die schlechte Qualität des Alkohols und die hohen konsumierten Alkoholmengen zurückgeführt. Seit 1998 ist Absinth aufgrund einer Vereinbarung der Europäischen Union in vielen europäischen Ländern wieder erhältlich. Auch in der Schweiz werden seit 2005 Herstellung und Absatz  von Absinth wieder gestattet.

Die Heimat des Absinth

Der Hauptbestandteil von Absinth, das Wermutkraut, wurde bereits in Aufzeichnungen 1600 Jahre vor Christus auf Papyrus in Ägypten beschrieben. Dabei wurde Wermut vor allem als Stimulanz- und Stärkungsmittel, Antiseptikum und Heilmittel gegen Fieber und Schmerzen genannt. Auch Hippokrates und der bekannteste Arzt des Altertums, Hippokrates, beschrieben Wermut und seine Wirkungen, unter anderem als Mittel zur Steigerung der Manneskraft und der Kreativität, welcher Ausprägung auch immer. Von Adam Lonicer ist ein Zitat in einem Kräuterbuch  überliefert, wonach Wermut „konsumiert in der Form eines Getränks oder einer Mahlzeit …. tatsächlich vorteilhaft für den Magen, die Verdauung“ sei. „Er wärmt den Körper, lindert Schmerzen und entgiftet. … Mischt man Wermut mit Saft und konsumiert diese Mixtur über eine Zeitspanne von 10 Tagen, so bekämpft der Zucker im Saft die Gelbsucht und kuriert auch Wassersucht, zudem beseitigt er Beschwerden sowohl von der Milz als auch der Leber. … Wein, der aus Wermut hergestellt wurde, besitzt die gleichen Tugenden.”

Adam Lonicer wurde am 10. Oktober 1528 in Marburg geboren. Nach seinen Studienjahren in Marburg und Main wurde er 1553 Professor für Mathematik an der Universität in Marburg und 1554 Doktor der Medizin. Da sein hauptsächliches Interesse Kräutern galt, gab er 1578 sein erstes diesbezügliches Buch heraus. Zwischen 1557 und 1577 folgen weitere Ausgaben von "Adam Lonicer Kräuter Buch und künstliche Conterfeyungen sammt der Kunst zu Destillieren". Adam Lonicer verstarb am 29. Mai 1586 in Frankfurt am Main.

Auch Henriette Henriod waren die Wirkungen von Wermut bekannt. Ende des 18. Jahrhunderts stellte sie auf Basis von Wermut in Couvet in der französischen Schweiz ein Elixier her, welches zur Bekämpfung von Krankheiten verwendet wurde. Der Bürgermeiste erkannte das Potential des Elixiers und erwarb das Rezept von Henriette Henriod. Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Henri-Louis Pernod gründete er 1798 eine Destillerie und gab ihr den Namen „Dubied & Söhne“. Henri-Louis Pernod, geboren am 1. März 1776 in Le Locle ehelichte 1797 Emilie Dubied, die Tante von Henri Edouard Dubied jun., einem Textilindustriellen. In diesem Jahr startete er auch mit der kommerziellen Produktion von Absinth, erst im schweizerischen Couvet, im Kanton Neuenburg, später in grösserem Massstab im französischen Pontarlier. 1805 eröffnete er eine zweite Destillerie. Dabei wurde er von seinem Schwiegervater Major Daniel Henri Dubied und dessen Sohn Henri Edouard unterstützt, welche in Couvet bereits eine Absinthdestillerie unterhielten. Vater und Sohn Dubied verliessen kurz nach der Gründung das Unternehmen und eröffneten eine eigene Destillerie. Henri-Louis Pernod verstarb am 8. Dezember 1851 in Pontarlier.

Das von Henriette Henriod entwickelte Rezept sah vor, dass mittels Mazeration aufbereiteter Wermut destilliert wurde. Das dazu notwenigen Kraut wurde im hauseigenen Garten gezüchtet und das Destillat einem kleinen Destillierapparates hergestellt. Sie gab die Flüssigkeit gegen geringes Entgelt an Straßenhändler ab, welche es an Apotheken und Haushalte weiter verkauften.

Nachdem die groß angelegte industriell durchgeführte Absithproduktion begann, wurde auch die Rezeptur erneuert, um noch mehr Menschen dafür begeistern zu können. Die bis zu diesem Zeitpunkt vorherrschende bittere Note wurde vermindert, indem weniger Wermut verwendet und Anis und Fenchel beigemengt wurden. Die Bitterstoffe von Wermut wurden somit durch Verdünnung vermindert. In diesem Zusammenhang ist ein Rezept von einen Erben der Familie Dubied überliefert, wonach zu dieser Zeit 48 kg Anis, 48 kg Fenchel, 10 kg großer Wermut, 1,5 kg Melisse und zur Mazeration 60 kg Kleiner Wermut sowie 30 kg Ysop benötigt wurden. Die Herstellungsweise blieb bis zum Verbot im Jahr 1914 unverändert.

Die Verbreitung von Absinth

Erst nach 30 Jahren des Genusses in seiner engeren französischen Heimat, dem Val-de-Tavers, französischen Soldaten vorbehalten, Absith auch außerhalb der Heimat bekannt zu machen. Schiffe, welche sie zum Eroberungskrieg nach Algerien 1830 brachten, wurden auch mit Kisten gefüllt, welche Absinthflaschen enthielten. Vor allem sollte Absith zur Desinfektion von kontaminiertem Wasser verwendet werden und die Soldaten vor tropischen Krankheiten schützen. Aufgrund des Geschmacks wurde er aber auch zur Aufhellung des tristen Soldatenalltags gern genossen. Nach Beendingung der Kampfhandlungen wurde das wohlschmeckende Getränk auch außerhalb seiner engeren Heimat gepriesen. So ist in historischen Quellen ein Brief eines französischen Soldaten überliefert, in welchem er die Vorzüge der „grünen Dame“ in höchsten Tönen pries. Es war aber erst der Pariser Gesellschaft vorbehalten, Absinth in vollen Zügen zu genießen.

Zahlreiche Destillerien in Frankreich und der Schweiz reagierten, vergrößerten die Produktion exportierten das Getränk. In weitere Folge wurden Filialen eröffnet, um den Absatz abzusichern. So wurden von Fritz Duval Niederlassungen in Brüssel und Cork, von der Destillerie Berger in Argentinien und von Pernod & Fils im spanischen Tarragona Spanien Filialen eröffnet.

Zwischen den Jahren 1880 und 1910 blieb der Genuss von Absinth nicht mehr nur gehobenen Kreisen vorgehalten sondern wurde der breiten Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Nachdem die Nachfrage mehr und mehr anstieg wurde er in gleichem Atemzug wie Wein gehandelt. Von Frankreich, vor allem von Pais ausgehend, wurde nachmittags die „grüne Stunde“ ausgerufen. Zwischen 17 und 19 Uhr wurde in Cafehäusern und Restaurants Absinth genossen. Künstler wurden beauftragt, Plakate zu entwerfen, um Abinth wirkungsvoll bewerben zu können. Die Bilder gerieten sehr farbenfroh, wobei die Künstler darauf verwiesen, dass sie das Getränk in großem Ausmaß inspiriere. In ganz Europa wurden neue Destillerien erbaut und somit durch Absith Arbeitsplätze geschaffen. Er wurde besonders als Aperitif geschätzt und als Nationalgetränk Frankreichs angesehen. 

Geschichte des Absinth nach 1910

Nach 1910 wurden in Paris und der näheren Umgebung 65 Absinth-Destillerien eröffnet. Um Bordeaux waren es mehr als 50, um Marseille 45 sowie weitere 30 um die Städte Lyon und Dijon. existiert mittlerweile in den Regionen von Frankreich und es werden stets neue geöffnet. Nicht nur Popularität von Absinth erreichte ungeahnte Höhen, auch das zur Herstellung notwenige Wermutkraut war in aller Munde. Nachdem Informationen hierzu sehr gefragt waren, wurden Vorträge  zur Kultivierung der Pflanze angeboten. Auch Fragen, auf welche Weise sie in Destillerien verarbeitet wird und wie gewinnbringend vertrieben werden kann, wurden beantwortet. Schließlich gingen Destillerien dazu über, verschiedene Sorten von Absinth herzustellen, welche auch bereitwillig genossen wurden. Waren es im Jahre 1874 noch eine dreiviertel Million Liter, welche hergestellt und auch konsumier wurden, belief sich diese Zahl im Jahre 1910 auf mehr als 36 Millionen, allein in Frankreich.

Nicht nur Produzenten profitierten von der großen Nachfrage, auch der Umsatz von Werbeunternehmen erreichte bisher ungeahnte Höhen. Nicht nur von Künstler entworfene Plakate wurden für Werbung verwendet, auch in Zeitungsanzeigen wurden die verschiedenen Produkte der Destillerien beworben. Selbst Postkarten wurden mit jeweiligen Sujets bedruckt. Ab 1900 wurde Absinth auch als medizinisches Getränk mit großem Erfolg an den Mann und an die Frau gebracht. Künstler entwarfen nicht nur Werbematerial für Absinth, sondern überzeugten sich in eigenen Zirkeln von der bewusstseinserweiternden Wirkung des Getränks. Besonders Künstler, auf welche zu einem späteren Zeitpunkt näher eingegangen werden soll, liebten den Geschmack und seine Wirkung, manche von ihnen bezeichneten Absinth als ihre Muse.

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